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Rechenzentrum Nordrhein Westfalen - QAS Suite im Einsatz

Qualitätssicherung auf höchstem Niveau braucht durchdachte Werkzeuge

Das Rechenzentrum der Finanzverwaltung in Nordrhein Westfalen entwickelt, testet und implementiert Software für die Steuerverwaltung des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes. Für die Verwaltung von Testfällen für das bundesweite Projekt „Elektronische Steuererklärung“ – ELSTER und im Bereich steuerfachliche Anwendungen setzt das Rechenzentrum seit 2006 erfolgreich QAS.TCS  (Test Case Studio) sowie QAS.PTAR (Problem Tracking) aus der QAS-Suite von OBJENTIS ein.

Für diese Bereiche zuständig ist Frau Barbara Stock. Im Gespräch mit OBJENTIS erläutert sie die Aufgaben des Rechenzentrums, den Stellenwert der Qualitätssicherung und ihre Anforderungen an eine Testfallverwaltung.

 

Konfigurierbar, dezentral einsetzbar und intuitiv in der Anwendung

Frau Barbara Stock im Gespräch

OBJENTIS:  Welche Aufgaben hat das Rechenzentrum der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen?

 

BARBARA STOCK: Das Rechenzentrum der Finanzverwaltung (RZF) ist ein moderner Servicebetrieb sowohl für die mehr als 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Finanzverwaltung als auch für die Bürgerinnen und Bürger, es beschäftigt über 600 Personen. Ein Team von mehr als 280 ProgrammiererInnen entwickelt und pflegt die Software für die Veranlagungssteuern (z. B. Einkommensteuer, Körperschaftsteuer), die Anmeldungssteuern (z. B. Umsatz- und Lohnsteuer), die Kraftfahrzeugsteuer und die Buchführung der Finanzkassen. Darüber hinaus werden Programme für das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen sowie der Landesschuldenverwaltung gepflegt oder neu entwickelt. Jeder Euro des Landeshaushalts (das Volumen liegt bei 50.000.000.000 €) wird über Anwendungen des RZF geplant, verbucht und zur Zahlung oder zur Annahme angewiesen, jedes Jahr werden etwa 220 Millionen Blatt Papier gedruckt, knapp 30 Millionen Briefe an Steuerbürger versandt.

 

Zu den Aufgaben des Rechenzentrums zählen unter anderem die Entwicklung von Software für die Steuerverwaltung, und der Betrieb des zentralen und dezentralen IT-Systems der Steuerverwaltung des Landes Nordrhein Westfalen. Das RZF ist eine Clearingstelle für das bundesweite Projekt ELSTER  (elektronische Steuererklärung). Zunehmende Bedeutung kommt der Entwicklung bundeseinheitlicher Software für das Besteuerungsverfahren (Vorhaben KONSENS) zu. Hier ist das RZF einer der größten Entwicklungsstandorte.

 

 

OBJENTIS: Welcher Stellenwert kommt der Qualitätssicherung und dem Software Test zu?

 

BARBARA STOCK: Wir arbeiten im öffentlichen Auftrag, in einem Bereich, der besonders verantwortungsvoll mit den Mitteln der Bürgerinnen und Bürger umzugehen hat. Die Steuerfestsetzung und die Steuererhebung laufen über die Software des Rechenzentrums, falsche Steuerbescheide wären fatal. Dazu kommt, dass 31.000 Bedienstete der Finanzverwaltung mit Software des Rechenzentrums arbeiten. Ein Fehler in einem Release, der zu einem Ausfall auch von nur wenigen Stunden führt, könnte Millionenschäden verursachen. Ein Problem bei der Annahme von Anmeldungssteuern wie Lohn- oder Umsatzsteuer würde allein durch den Zinsausfall sechsstellige Schadenssummen verursachen. Entsprechend sorgfältig testet das Rechenzentrum die Software.

 

 

OBJENTIS: Wie stellt Software Test dieses Qualitätsniveau sicher?

 

BARBARA STOCK: Die angeführten Aufgaben verdeutlichen, dass das Rechenzentrum in ganz unterschiedlichen Sachgebieten mit spezifischen Anforderungen arbeitet. Folglich sind die Anforderungen an die Qualitätssicherung je nach Sachgebiet unterschiedlich. Daher erfolgt die Qualitätssicherung nicht zentral, sondern ist auf die jeweiligen Abteilungen verteilt. Dadurch kann auch das fachliche Know-how der Abteilungen genutzt werden. Darüber hinaus holt sich das RZF auch Fachtester aus den Finanzämtern, die aus der täglichen Arbeit alle Anforderungen kennen. Die Software wird also nach Sachgebieten und praxisnah getestet.

 

 

OBJENTIS: Welche Sachgebiete betreuen Sie?

 

BARBARA STOCK: Ich bin zuständig für die Qualitätssicherung der steuerfachlichen Anwendungen für Nordrhein Westfalen sowie einige bundesweite Projekte. Zu meinen Projekten zählt ELSTER, die elektronische Steuererklärung. Wegen der Komplexität dieses Projektes ist ein definiertes Vorgehen der Qualitätssicherung notwendig: auf der Basis der Anforderungen wird ein Testkonzept erstellt, in dem die Testschritte definiert werden. Auf dieser Grundlage werden die Prüfungen durchgeführt und vollständig dokumentiert. Geprüft wird auf Kompatibilität, Korrektheit, Robustheit und gute Bedienbarkeit. Dazu werden die Benutzeroberflächen überprüft, Lasttests durchgeführt und die korrekte Verarbeitung der eingegebenen Daten kontrolliert.

ELSTER ist ein Projekt von Bund und Ländern, die Entwicklung erfolgt an verschiedenen Standorten und muss koordiniert sein. Ebenso muss das Zusammenspiel der Komponenten überprüft werden.

 

 

OBJENTIS: Sie verwenden ein Testfallverwaltungstool. Welche Kriterien waren für Sie bei der Auswahl des Testtools entscheidend?

 

BARBARA STOCK: Vier Aspekte waren uns besonders wichtig.

  • Wir benötigen ein einfaches Tool, an dem wir selbst Wartungsarbeiten durchführen können: wir müssen zwar große Komplexität abbilden, der Pflegeaufwand für das Tool muss aber gering beleiben.
  • Die Konfigurierbarkeit war für uns entscheidend: wir wollen für die einzelnen Projekte das Tool selbst konfigurieren, so wie wir es in jedem Fall benötigen.
  • Das Tool muss dezentrales Arbeiten unterstützen, es muss länderübergreifend nutzbar sein. Der dezentrale Zugriff aus allen Bundesländern war und ist für uns unbedingt erforderlich.
  • Das Tool muss intuitiv und ohne hohen Schulungsaufwand bedienbar sein.

Im Projekt ELSTER findet die Entwicklung über verschiedene Bundesländer verteilt statt. Die Qualitätssicherung erfolgt zwar zentral in Nordrhein Westfalen, die Entwickler sind aber weit verstreut und wir arbeiten auch mit Testern an unterschiedlichen Standorten. Wenn Fachtester nicht ins Rechenzentrum  nach Düsseldorf kommen können, sollen sie die Möglichkeit erhalten, auch außerhalb des Rechenzentrums zu arbeiten.

Wichtig ist uns, dass auch Personen, die mit solchen Qualitätssicherungs-Tools wenig Erfahrung haben, einfach und rasch mit dem Tool arbeiten können.

 

 

OBJENTIS: Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie in den nächsten Jahren?

 

BARBARA STOCK: Entwicklung und Qualitätssicherung werden noch stärker dezentral erfolgen. Wir arbeiten nicht nur für Nordrhein-Westfalen sondern im Rahmen von KONSENS (Koordinierte Neue Software Entwicklung der Steuerverwaltung) an bundesweiten Lösungen.

Im Bereich ELSTER erfolgt zurzeit die Qualitätssicherung zur Gänze in Düsseldorf, es gibt aber andere Bereiche, in denen die  Qualitätssicherung verteilt erfolgt. Ein Ansatz von KONSENS besteht darin, dass die Qualitätssicherung in einem anderen Bundesland erfolgen soll als die Entwicklung. Dieser Bereich ist im Aufbau, Tools für dezentrales Arbeiten werden daher verstärkt benötigt.

 

OBJENTIS: Frau Stock, danke für das Gespräch!

 

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